Deutsch Magyarul

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Mein Weg zur Wolle

Wiesenpfad

Nemessándorháza ist ein kleines Dorf in Westungarn, das umgeben ist von einer wunderschönen Hügellandschaft, Wiesen, Feldern und Wäldern. Hier kaufte ich ein Stück Land, auf dem sowohl sieben Schafe als auch meine Hündin und ich leben - außerdem einige Rehe, Wildschweine und andere Tiere sowie viele Wildpflanzen. In meinem Garten gedeihen Kräuter und Gemüse, Obst und Blumen sowie viele Heilpflanzen und Gräser. Neben der Wollverarbeitung gebe ich Nachhilfestunden für Deutsch, dolmetsche und übersetze deutsch-ungarisch.

Oft wurde ich bereits gefragt, wie ich dazu gekommen sei, Schafe zu halten und deren Wolle zu verarbeiten. Und ich antworte darauf meistens, es sei eine lange Geschichte. Doch an dieser Stelle möchte ich sie einmal erzählen:

Gemüse

Vor vielen Jahren beschäftigte ich mich sehr mit den Themen „Selbstversorgung” und „Vegan leben” und fand dabei oftmals Artikel über Kleidung aus Pflanzenfasern statt Wolle. Damals wie heute ist es für mich eine faszinierende Vorstellung, aus Brennesseln einen Rock herzustellen! Da die Verarbeitung von Pflanzenfasern sehr aufwendig ist und mir bisher sowohl die Zeit als auch der Platz dafür fehlten, blieb mein Interesse auf der theoretischen Ebene.

Als ich dann ein paar Jahre in England lebte, begegneten mir zum ersten Mal Frauen am Spinnrad, die Fäden aus Plasteabfällen verspannen. Die Aufarbeitung der Grundstoffe war auch hier recht aufwendig, doch ich war allein schon von den Spinnrädern fasziniert. Mein damaliger Lebensgefährte hatte dann auch noch eine Mütze aus versponnenen Hundehaaren, die in feuchtem Zustand sehr intensiv duftete. Und zu guter Letzt beherbergte unsere Nachbarin in Devon ein betagtes Schaf auf ihrer Weide, dessen Wolle von Jahr zu Jahr dichter zu werden schien – es wurde nicht geschoren. In dieser Zeit entstand in mir zum ersten Mal der Wunsch, die Verarbeitung von Schafwolle zu erlernen.

Bevor ich mir diesen Wunsch in England hätte erfüllen können, zog ich zurück nach Deutschland, ins Oderbruch. Und wieder kam ich mit Schafen in Berührung, da einige meiner Nachbarn Skudden als lebendige Rasenmäher hielten. Skudden sind eine alte Rasse und sie verlieren ihre Wolle von alleine bzw. schubbern sie an Bäumen ab - man braucht sie nicht zu scheren. Doch es gab auch eine Heidschnucke unter den vielen Skudden, die geschoren wurde, und ich hatte endlich meine erste Schafwolle – und keinen Schimmer, was ich nun damit anfangen sollte!

Zwischenzeitlich stellte sich heraus, dass eine Bekannte ein Louet Spinnrad hatte, das sie nicht mehr nutzte. Sie übergab mir das Spinnrad, das ich auch heute noch habe, und ich versuchte, aus der schönen Heidschnucken-Wolle einen Faden zu spinnen. Dabei ist es dann auch geblieben, da ich außer vielen lustigen Kringeln und einem völlig überdrehten Faden nichts erreichte.

Ungarn

Bis ich dann kurze Zeit später nach Ungarn zog! Hier hatte ich auf einmal Platz für eigene Schafe und zudem lernte ich einen Menschen kennen, der sowohl mit der Handspindel als auch mit einem Flügelspinnrad Wolle verspann. Bei ihm saß ich dann auch einige Male am Spinnrad, außerdem schenkte er mir ein gebrauchtes Humanus-Haus Spinnrad, eine Handspindel und viel Erfahrung - für all das bin ich ihm sehr dankbar! Die theoretischen Grundlagen des Spinnens erlernte ich dann aus dem Buch „Wolle spinnen mit Herz und Hand“ von Kurt Hentschel, das Ihr unter Handspinnen herunterladen könnt.

Racka - Zackelschafe

Die Frage nach der Schafrasse, die hier leben sollte, war schnell geklärt: Es sollten Schafe sein, die in dieser Gegend heimisch sind. So kauften wir die ersten drei weißen Zackelschafe, Racka (sprich „Razka“) auf ungarisch, danach noch drei braun-schwarze, wobei sowohl ein weißes als auch ein braunes Schaf die Herde schon verlassen haben. Dafür leben jetzt einige ihrer Nachkommen noch hier - insgesamt stehen gerade sieben weibliche Schafe auf der Weide.

Im Laufe der Zeit verfeinere ich meine Fertigkeiten sowohl hinsichtlich der Verarbeitung der Wolle dieser Schafe als auch des Spinnens am Spinnrad. Es eröffnen sich mir dabei immer wieder neue Möglichkeiten und ich lerne permanent dazu. Und vielleicht verspinne ich eines Tages auch mal Brennesselfasern, wer weiß?!